welt.de über Stefan Strumbel – Andy Warhol der Kuckucksuhren

09. Februar 2013, welt.de

Früher besprühte Stefan Strumbel heimlich Züge, heute hängen seine Arbeiten bei Lagerfeld über dem Sofa: Der Schwarzwälder Ex-Sprayer hat mit seiner schrägen Heimat-Kunst Fans in der ganzen Welt.

Stefan Strumbel, hipper Hut, rosa Socken, neongelbe Sportschuhe, bunte Tätowierungen auf den Oberarmen, rutscht nervös auf der harten Kirchenbank hin und her. Nicht weil er gleich in den nahen Beichtstuhl müsste, wo eine tätowierte Nackte mit prallem Bollenhut und wulstigen Schamlippen wartet – diese „Heimathure“ ist sein Geschöpf.

Den Sakralraum hatte der Künstler im Karlsruher Museum beim Markt inszeniert. Nein, der 33-Jährige aus dem süddeutschen 60.000-Einwohner-Städtchen Offenburg ist in Eile. Ein Sammler wartet – und reiche Leute warten nicht gern. Das weiß der ehemalige Zug-Sprayer genau.

Seine quietschebunten Kuckucksuhren, die er mal martialisch mit Schädeln, M16-Sturmgewehren und Granaten, mal poppig mit Gitarren, Tattoo-Motiven und Herzen verfremdet, hängen bei Karl Lagerfeld und Hubert Burda im Wohnzimmer.

In den Street-art-Topf will Strumbel denn auch nicht geworfen werden: „Klar, meine Ursprünge liegen im Graffiti, aber mit dem Urban-Begriff kann ich nix mehr anfangen. Die Straße ist die Straße. Punkt. Ich aber arbeite mit vielen verschiedenen Materialien.“

Zwar verwende er noch die gleichen Sprühdosen wie zu nachtaktiven Sprayer-Zeiten,“aber morgen könnten es auch Papier und Wasserfarben sein. Ich will mich da einfach nicht festlegen. Das machen der Betrachter, die Presse oder der Markt“.

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