Basel ist endlich stolz auf Smash137

Mit der ART BASEL und ihren Satelitenmessen Volta Show, Liste Basel und Scope Basel, zählt die Rheinperle in der Schweiz seit vielen Jahren zu den wichtigsten Hochburgen des internationalen Kunstmarktes.

 


Auch in der hauptsächlich in Off-Spaces stattfindenden Streetart Szene hat sich die kleine Stadt im Dreiländereck einen respektvollen Namen verschafft… durch Künstler wie dem bereits verstorbenen Dare, Toast oder Smash173 ist die Bahnhofseinfahrt von Basel seit mehreren Jahren eine “Hall of Fame” und zugleich Pilgerort für Graffiti Fans.

Dennoch ist die einflussreiche Streetart Szene am Kunststandort Basel immer noch nicht anerkannt. Der aus Basel stammende Smash137 gilt inzwischen als einer der besten und berühmtesten Graffiti Writer weltweit und hat in den letzten 5 Jahren in Heidelberg und in Barcelona gelebt, weil die Luft für ihn als Writer in seiner Heimatstadt zunehmend dünner wurde. Im Februar 2009 wurde er nämlich wegen Sachbeschädigung verurteilt und entging nur knapp einer Gefängnisstrafe. Obwohl Smash137 geständig war und sich auf die Ausübung seiner Kunst berufen hat, wurde er Schuldig gesprochen. In der Urteilsverkündung lobt Richter Thiriet zwar sein Schaffen als Künstler, erklärt aber auch Picasso oder Dalí wären verurteilt worden.

Gerichtsverfahren sind in der vorwiegend illegalen Streetart Szene nichts Außergewöhnliches. Allerdings hat bisher kein Verfahren überregional mehr Diskussionen ausgelöst, wie das von Smash137 (Ausgenommen des Falls Harald Nägeli’s 1981). Die ganze Stadt hat, sowohl online als auch offline, diskutiert ob Graffiti “Kunst” ist oder nicht und wie verwerflich es ist, triste Mauern an Bahngleisen zu besprühen….

Dem damals noch anonym arbeitenden Künstler wurde der Druck der Öffentlichkeit zu groß, sodass er für mehrere Jahre nach Barcelona flüchtete. Seine Kommentar nach dem Urteil in 2009 war: >>Meine Mutter arbeitet in einem großen Unternehmen in Basel und sie leidet sehr darunter, dass alle ihre Kollegen über den Fall diskutieren, ohne zu wissen, dass sie die Mutter des “Täters” ist. Basel ist sehr klein und ich möchte hier erst mal raus, bis sich die Angelegenheit etwas beruhigt hat.<<
Im Nachhinein betrachtet hat ihm das Verfahren sehr viel genutzt. Denn durch seinen Mut im Prozess zu seiner Kunst zu stehen, flatterten ihm viele interessante Ausstellungsangebote ins Haus und nebenbei hat ihm das positive Feedback der Bevölkerung in seinem “Coming Out als Bildender Künstler” bestärkt.


Seit wenigen Monaten lebt Smash137 wieder in Basel und es ist uns eine große Freude, dass er nun auch von der VOLTA Show (welche eine der interessantesten Messen für aufstrebende Kunst ist) eingeladen wurde, für sie eine Wandfassade zu gestalten. Hierzu erschien gestern ein Artikel in der Baseler Zeitung über den inzwischen “weltberühmten Graffitikünstler Smash137″ und es scheint, als seien sie ein bisschen stolz auf den Maler mit der Spraydose.

Vielleicht, aber nur vielleicht, erkennen nun auch die letzten Spießer in Basel, welch Ausnahme-Talent unter ihnen lebt. Wer’s braucht, dem prognostizieren wir gerne, dass dieser Künstler gerade erst Anlauf nimmt…

Hier auch ein interessanter Artikel zu seinem Befreiungsschlag in Paris.

Und noch ein frühes Modart Video-Interview, des damals noch anonym arbeitenden Smash137:

Foto (c) Volta Show