Urbane Kunst- ein neues Sprachmedium


Man kann es nicht anders sagen: Sie spricht zu uns- die Kunst. Schon immer haben Künstler ihre Kunst genutzt, um zu “uns” zu sprechen. Aber die neue Kunstbewegung Urban Art teilt uns nicht nur etwas mit, sondern sie ist ein visueller Wegweiser. Das Gedächtnis vieler Menschen speichert Erinnerungen, Erlebnisse und Orte anhand von Anhaltspunkten in Form von Bildern. Erinnert man sich an Erlebtes zurück, hat man Bilder vor dem inneren Auge. Das hilft sich zu erinnern. Oftmals ist es nur ein Einziges. Menschen erklären sich über diesen Weg ganze mathematische Formeln, machen Zahlen zu Bildern. Und warum dann nicht auch Straßen und Orte zu Bildern für das Gedächtnis machen? Visuelles Bildfutter für das Gehirn.

Was ich damit meine: Bis jetzt gibt es an verschiedenen Plätzen in Köln neun Hauswände, die prächtige Kunstwerke zieren. Fragt mich jetzt jemand: Wo ist denn noch mal die Vogelsangerstraße? Denke ich nicht an die letzten Kneipenbesuch oder den letzten Fußmarsch zurück. Ab jetzt habe ich Claudio Ethos Wandgemälde vor Augen und die Erinnerung. Ich assoziere diese Straße nicht mehr länger mit unbedeutenden Nichtigkeiten, sondern mit einem ästhetischen Straßenschmuck. Was wäre es für ein Goldtat, wenn wir all unserer Erinnerungen an Erlebnisse über Bilder wie seine zurückgewinnen könnten?!

Cityleaks- Urban Art Festival / Cologne / Claudio Ethos (BR)

Unabhängig von der Farbengestaltung, der Inszenierung oder des Inhaltes, Urbane Kunst und Streetart bleibt im Gedächtnis. Gerade in diesem Moment ist Köln und Cityleaks das beste Beispiel dafür, dass die neue Bewegung der urbanen Kunst nicht nur illegale Graffitimalerei ist: Sie ist eine neue Sprache im öffentlichen Raum, die für jeden zugänglich und zu hören ist. Man muss nur die Augen aufmachen.

Text: Margret von Medem
Fotos: Roman Roitman